Mit dem Schubkarren durch Abancay

Justina eine 77 jährige Dame ist immer noch voll im Geschäft. Sie streift täglich mit ihrem Schubkarren durch Abancay und verkauft Mahlzeiten, die sie vorher in ihrer Küche zubereitet hat.

Heute gibt es Camote ( Eine Süßkartoffelsorte)
oder gebrattenens Hünchen
oder getrocknete Kartoffeln mit Käse.

Alles ist zusammengepackt in Ihrem Schubkarren, den sie nun durch den Ort vor sich herschiebt.
"Camote"...
Justina ruft ihr Angebot immer wieder den Passanten entgegen, in der Hoffnung auf hungrige Mägen zu stoßen.
Bei einer Arztpraxis hat sie Glück. Hier sitzen viele Patienten im Wartehof und freun sich auf ein kleines Mittagessen als Abwechslung zur Warterei auf den Arzttermin.

Auch auf der Straße verkauft sie viel:
an Passanten aber auch an Ladenbesitzer, die darauf warten, dass Essen auf Rädern vorbeikommt.

Oft muss Justina Diskusionen führen, weil manche den Preis von den großen Süßkartoffeln zu hoch empfinden.
Justina möchte dafür 2 Soles (50 Cent) haben, manche Kunden wollen bloß die Hälfte bezahlen.

Am ende des Tages trifft sich Justina mit Ihrer Freundin der Süßigkeitenverkäuferin.
Sie sitzen zusammen und halten einen Plausch auf Quetschua.

Die Süßkartoffeln von Justina

Es ist Sonntag.

Wie jeden Sonntag wartet im Hinterhof von Justina ein Berg großer Süsskartoffeln (Camote) darauf gewaschen zu werden.
Die Sonne wirft Lichtflecken durch das dichte Geäst des Avokadobaumes in den Hof.
Eine dicke Erdkruste umgibt die Kartoffeln.

Sie werden mit Wasser und einer Bürste abgeschrubt und danach auf eine Plastikplane in die Sonne zum trocknen gelegt.
Das ist die Vorbereitung für die kommende Woche.
Denn Justina will die Kartoffeln mit ihrer Schubkarre zum Markt fahren und verkaufen.

Später werden die Kartoffeln in große Säcke gepackt und mit einem Schwung über den Rücken geworfen,
hinausgetragen durch die abendlichen Straßen,
hinauf zu einem Nachbarn. Dort gibt es einen großen Rundofen.
Die Kartoffeln werden hier Übernacht gar gebacken.

Schaum- und Wasserkrieg

Bewaffnet mit grossen Wasserpistolen, Wasserbomben, Wassereimern, Wasserwannen und Schaumsprühdosen ziehen die Peruaner in den Karnevalkrieg.
Egal wo man heut durch die Stadt läuft: man muss Angst haben von einer Wasserwoge erfasst zu werden.
Es gibt keine sichere Methode trocken durch die Stadt zu kommen. Irgendwann erwischt es jeden irgendwo irgendwann.
Mich erwischte eine kalte Dusche vor einer Apotheke. Aus dem 2 Stock hatte jemand eine Wasserwanne direkt über mir ausgelehrt.
Dagegen waren die zwei Wasserbomben, von denen ich vorher erwischt worden war harmlos.

An Karneval fahren gerne Pickups oder Kleintransporter durch die Stadt. Auf der Ladefläche hocken junge Leute, die freude daran haben, die Menschen am Strassenrand mit altem Motoröl oder Wassereimern zu überfluten.

Von dem Umzug hab ich leider nicht allzuviel gesehen.
Ich war einfach zu nass und damit beschäftigt nicht noch nasser zu werden.

In Abancay wird gern erzählt, dass es der fröhligste Karneval von ganz Peru sei.
So ganz kann ich diese Aussage nicht nachvollziehen.
Vielleicht aufgrund der Schadenfreude?

Hoch hinnaus

Das ziel ist eine Lagune oben in den Bergen über Abancay.
Die Landschaft und Vegetation ist vielfältig und abwechslungsreich.

Wir steigen den Ampay bis auf ca 3600 m hoch.
Octavio kennt hier jeden Weg, jede Pflanze und jeden Stein. Die steilsten Steigungen schlendert er hoch ohne sichtbare Anstrengung.
Wir kommen vorbei an einsamen Gehöften, treffen Lastenträger mit ihren Pferden und wandern durch dichtbewachsene Wälder wieder zurück ins Tal.

 

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Comadres- peruanische Weiberfastnacht

Ich kam gestern vollgesprüht mit Schaum, das Gesicht bemalt mit weißer Kreide und bestreut mit Konfetti zurück ins Baumhaus.
und jeder wusste wo ich gewesen bin:
auf dem Karneval.
Überall werden von Straßenverkäufern Schaumsprüdosen verkauft... damit wird jeder eingenebelt und geärgert
und mit schaum über den Festplatz gejagt.

Die Männer tragen alle lange, braungestreifte Ponchos, die Frauen bunte Trachtenkostüme.
Damit tanzen sie um einen geschmückten Baum, der vollgehängt ist mit Geschenken.
Nun wir eine Axt von Tanzpaar zu Tanzpaar gereicht, und jeder Mann der an der Reihe ist, hackt auf den Baum ein,
wärend alle anderen drum herum tanzen....
Irgendwann stürzt der Baum um, und alle springen auf den Baum zu, um die Geschenke zu ernten.

Danach wird bis zum umfallen Bier getrunken. und gesungen und getanzt.

Der arme Bursche, der den Baum entgülltig fällt, muss im kommenden Jahr das Karnevalfest organisieren und finanzieren.

Abancay- Die Stadt des ewigen Frühlings

Abancay hat ca. 53 000 Einwohner und liegt in einem Talkessel.
Somit hat man fast in jeder Strasse einen Blick auf die Berge im Hintergrund.

Das Klima ist das ganze Jahr über relativ gleich. Es wirkt wie deutsches Frühlingswetter.
Nicht warm, nicht kalt
Sonne und Regen im Wechsel

Nach Lima ist Abancay eine Entspannung für die Seele.
Die Menschen hier sind freundlich und neugierig.
Und alles geht hier etwas langsamer.
Mir gefällt die Stimmung in der Stadt.

Das perunaische Nimmerland- Spielplatz der Kinder

Das Baumhaus liegt auf 2500 m höhe überm Meeresspiegel. In Abancay einem Ort unterhalb von Cusco.
Ein guter Ort sich an die Höhe zu gewöhnen.

Plötzlich stehen ca. 15 Kinder unterm Baum und Schaukeln auf der Schaukel, die unterm Baumhaus hängt.
Das Haus schwangt ein wenig.

Octan Der Baumhausbewohner, ärgert gern die Kinder und hält den Wasserschlauch über den Plattformrand, um die Kinder zu ärgern, diese kreischen und erstürmen das Baumhaus.
Die morgendliche Baumhaus-Ruhe ist vorbei. Die Nachbarkinder zwischen 3- 12 Jahren kommen nach der Schule oder dem Kindergarten gern her und spielen ein wenig im Baum und ärgern Octan oder verspeisen sein Mittagessen.

Überall gibts Hängematten und Schlafgelegenheiten. Die Kinder nutzen mein Bett vorallem für Kissenschlachten.

 

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aufgewacht im Avokadobaum

Meine Augen sind noch geschlossen.
die Geräusche die ich wahrnehme sind ungewohnt:
es mäht ein Schaf, ein Hahn kräht von weit her, Blätter rauschen im Wind, irgendwo tropft was
plötzlich ist ein Hundespektakel zu hören.
jemand schreit

ich öffne die Augen und erblicke das erstemal den Ort bei Tageslicht, an dem ich mich heut morgen um 4.30 Uhr totmüde zum schlafen niedergelegt hatte.
Es ist ungewohnt.
um mich rum ist ein Sammelsurium an Gegenständen, viele grünen Blätter umrahmen dieses Spektakel. Meine Augen blicken rastlos in der mir fremden Umgebung umher. Überall hängen gegenstände von Ästen. Eine Lichterkette schlängelt sich durchs Geäst.
Ich befinde mich in einem skurrilen Baumhaus, alles hier ist provisorisch zusammengebaut. Das Dach besteht aus verschiedenfarbige Plastikfolien die in den Baum mit Seilen geknotet sind. Das Waschbecken ist an dem Baumstamm befestigt. Plötzlich klingelt das Festnetztelefon des Baumhauses und reisst mich aus meinen Gedanken und Betrachtungen. mein Gastgeber schläft aber noch in einer Art Baumzelt weiter hinten im Geäst.
Octavio (so wird er genannt, weil er das Achte Kind seiner Mutter ist) ein 27 Jähriger Peruaner wohnt seit 2 Jahren in seinem selbstgebauten Baumhaus.

Zum Frühstück gibts trockenes Brot und Kokatee. Plötzlich knallt eine Avokado neben mir auf die Baumhausplattform. Damit hat sich die Frage nach Brotbelag und auch nach der Art des Baumes in dem wir hier sitzen sich von ganz allein erledigt.

Übrigens der WLAN Anschluss hier im Baumhaus in den Anden ist weit besser als in manch einem Internetcafe in Lima.